2008-12-26

Die Frohe Botschaft, wie sie angekommen ist

In jener Gegend saßen Intellektuelle in ihrer Bibliothek und hielten ein nächtliches Kolloquium.
Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie waren sehr befremdet;
der Engel aber sagte zu ihnen: Seid nicht befremdet, denn ich verkünde euch eine tiefe Einsicht, die dem ganzen Volk zuteil werden soll.
(Anti-Lukas 2)

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Unmündigen verborgen, den Weisen und Klugen aber offenbart hast.
(Anti-Matthäus 11)

Reversing Jesus's words into their opposite is a suitable stratagem to debunk the filthy reality which claims to be Christian but isn't.

Anti-Luke 2 said:
8 And there were intellectuals in the library nearby, discussing the basics of human life at night. 9 An angel of the Lord appeared to them, and the glory of the Lord shone around them, and they were alienated. 10 But the angel said to them, "Do not be alienated. I bring you deep insights that will be for all the people."
Anti-Matthew 11 said:
25 At that time Jesus said, "I praise you, Father, Lord of heaven and earth, because you have hidden these things from the minor and humble, and revealed them to the wise and learned."

2008-12-25

Was im Feind liebt die Feindesliebe?

* "Feind" ist ein Beziehungsbegriff, kein Eigenschaftsbegriff. "Feind" ist man nicht, sondern als "Feind" wird man gesehen.

* "Feindseligkeit" wird von niemandem als positiver sittlicher Wert geschätzt.
Wer als "feindselig" bezeichnet wird, weist diese Attribuierung zurück; er sieht in seiner Haltung und in seinem Handeln den Verfolg berechtigter, außerhalb jeder moralischen Frage stehender Interessen.
Den spürbaren Widerstand, den ihm ein anderer entgegensetzt, wird er wiederum als "feindselig" ansehen und sowohl zum Grund nehmen, die Mittel seiner Interessenwahrnehmung zu verschärfen, als auch zum Grund, von der eigenen Selbstgerechtigkeit noch überzeugter zu sein.

* Das beschreibt nun aber einen Zirkel, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint.
Juristische und historische Ermittlungen (wer hat angefangen? wer hat unverhältnismäßig reagiert?) können keinen Ausweg aufzeigen.
Wenn es einen Ausweg gibt, dann liegt er im Willen, die Zukunft von der scheinbaren Zwangsläufigkeit zu befreien, mit der sich Bestehendes auf ewig fortschreiben möchte.
Das bedeutet: a) sich von dem Recht, das einen, wie man glaubt, über den anderen erhebt, zu lösen und b) das Recht, das dem anderen wie einem selbst zusteht, zu sehen. Beides gibt dem "Feind" die Möglichkeit, ebenfalls seine Verhärtung aufzubrechen und einen für beide Parteien ersprießlichen Weg mitzusuchen.
Die "Feindesliebe", zu der Jesus aufruft und ermutigt, bedeutet nun aber, in dieser Hinsicht, dem Aufbrechen eines ausweglosen Kreises, den ersten Schritt zu tun (und alle weiteren).
Da ich an Gott den Allmächtigen und Barmherzigen glaube, setze ich dem der Welt angeblich immanenten satanischen Prinzip das göttliche Prinzip entgegen. Und in meinem realitätszugewandten Glauben "sehe" ich das in allen Menschen angelegt, und sollte es noch so sehr verborgen sein.
Einen Weg, dem Verborgenen zur Welt zu verhelfen, zeigt diese buddhistische Weisheit auf:

Belasse alle Dinge, die dir begegnen, in ihrem eigenen Wesen,
dann werden sie durch dich aus sich selbst heraus befreit.
Und diese Quäker-Weisheit:
Answer the witness of the Lord God in every one.
George Fox, 1656
So sei es.

Feindesliebe ist nicht Liebe zum Feind oder zur Feindschaft, sondern Liebe zum Gotteskind in/hinter dem Feind.

Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto...

...sicut erat in principio et nunc et semper et in saecula saeculorum.

Claudio Monteverdi: Vespro della Beata Vergine - Magnificat - Sicut erat

Alessandro (Botticelli) malte ein außerordentliches Geburt-Christi-Gemälde (Mystische Geburt), das die im turbulenten Florenz des Jahres 1500 herrschende Endzeitstimmung auf das zwölfte Kapitel der Apokalypsevision des Johannes bezieht:

Botticelli: Mystische Geburt

Was ich daran für außerordentlich halte, zeigt diese Ausschnittvergrößerung:

Botticelli: Mystische Geburt

In starker Bewegung umarmen und küssen Engel und Menschen einander. Das Himmlische ist mit dem Menschlichen versöhnt und vereint. Hass und Hässliches, Boshaftigkeit und Böses sind in Gestalt kümmerlicher Teufel an den Rand des Felsengrabens verbannt, der Himmel und Menschen voneinander trennt, aber durch das Ereignis der Geburt des Erlösers überbrückt ist.

Das Wesentliche lässt sich nur in Bildern ausdrücken. Bilder sind aber nicht das Wesentliche selbst. Das Wesentliche ist die Hoffnung auf sich erfüllende Liebe. Das gehört zum Wesentlichen des christlichen Glaubens.

2008-12-06

Reiß die Himmel auf


Beate Heinen: Reiß die Himmel auf

Möge das Licht, das wir glaubend erhoffen, uns die Trauerschatten und Latexfolien von den Gesichtern ziehen - auch wenn's vielleicht schmerzt.
Amen.


Siehe Alexander Seidel, Der Himmel reißt auf! und
Zum Leben und Werk der Künstlerin Beate Heinen

In Abrahams Schoß

Den Lärm meines Körpers - seine Schmerzen, seine wachsende Hinfälligkeit - und den Lärm meiner Außenwelt - was mich ärgert, was mir Sorge bereitet - nehme ich nur gedämpft wahr. Meine Zukunft, mein Ende und was danach kommt, kümmern mich nicht: Ich liege selig in Abrahams Schoß.

Aber...

Vater Abraham scheint mir aus seinem Bauch heraus etwas zu sagen - ob ich nicht zu früh zur Ruhe gekommen sei, scheint er zu fragen; ob ich denn schon reif genug sei, wieder wie ein Kleinkind alle Ruder aus der Hand zu legen... Und dann vernehme ich die Frage, die mich beunruhigt: ob mein unendliches Vertrauen nicht Flucht vor der Bewährung sei...

In der Tat weiß ich nicht, ob die dunklen Nächte, die ich in meiner Jugend und später schon durchlitten habe, mich in meiner Beziehung zum geliebten Höchsten erwachsen genug gemacht haben. Ich glaube, er hat als mein Ziel vorgesehen, dass ich ihm erwachsen gegenüberstehe. So, wie ich mich seit einiger Zeit verwöhnt fühle, kann ich nicht erwachsen werden. Habe ich unüberwindbare Angst vor der dunklen Nacht, in der mich der Geliebte wie eine Mutter ihren zahnenden Säugling entwöhnen will? Ist mein Vertrauen wahrhaftig?

Der "einzige Grund dafür, dass der Befreiungsprozess der dunklen Nacht so qualvoll ist, liegt darin, dass der 'alte Mensch' mit seinem Begehren immer wieder eine regressive Wiederherstellung der Mutterschoßverhältnisse intendiert und sich dadurch der neuschaffenden Liebe Gottes entgegenstellt."

Günter Benker: "Dunkle Nacht" der Ganzwerdung - C.G. Jung u. Johannes v. Kreuz

2008-12-05

Gotteskindschaft

Am Anfang seines öffentlichen Auftretens kam (nach Lukas 3) der Heilige Geist auf den Menschen Jesus herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
"Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden."
Die "Gottessohnschaft" ist ein uraltes Mythem des alten Ägypten und des ganzen alten Orients; es kleidet den Glauben an die Autorisierung bestimmter Menschen als Vermittler zum Göttlichen in ein poetisches Bild.
Ein Bild drückt eine Wahrheit aus, ist aber nicht die Wahrheit selbst.
Das sprachliche Bild statt seinen tiefen Sinn für die Wahrheit zu nehmen, halte ich in literarischer und religiöser Hinsicht für infantil.

Am Ende seines öffentlichen Auftretens schrie der Mensch Jesus am Kreuz um die neunte Stunde:
"Eli, Eli, lema sabachtani? (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?)"
Dann rief er laut: "Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist" und verschied.
Das ist für mich das heiligste Ereignis des ganzen Evangeliums. Jesus, ganz Mensch, fühlt sich gottverlassen und ist doch ganz bei Gott - eine existenzielle Grunderfahrung, in der die furchtbare Verlassenheit durch das Vertrauen auf die göttliche Väterlichkeit aufgehoben wird.
Ich glaube, dass Jesus Gott so nahe war und ist wie kein anderer Mensch. Ich glaube, dass Jesus mein Bruder ist. Ich glaube, dass auch ich Kind seines Vaters bin. Ich glaube, dass dies die Botschaft Jesu war, ist und bleibt.

Mit der Hellenisierung der jesuanischen Botschaft, wie sie an entscheidenden Stellen im Johannes-Evangelium vorgenommen ist, kann ich wenig anfangen (obwohl ich die hellenische Philosophie außerordentlich schätze). Jesu Selbstverständnis war kaum vom Geist griechisch-philosophischen Denkens beeinflusst oder gar geprägt. Keine Philosophie und keine Theologie kann Jesu Botschaft verbessern oder ersetzen. Das Evangelium ist so, wie es ist, an die Schlichten gerichtet und an die, die sich aufgegeben haben oder aufgegeben worden sind, nicht aber an die religiöse Führungsschicht und nicht an die geistige Elite und nicht an die sozial Etablierten. Existenziell ausgedrückt: Es ist so, wie es ist, an das Schlichte in uns und unsere Heilungsbedürftigkeit gerichtet, nicht aber an unseren Intellekt und unseren Sozialnarzissmus. Wohl gilt es auch für die geistige Elite; - aber die muss offenbar erst die griechische Philosophie und ihre Abkömmlinge einschalten, um Jesu Wort einen schönen Platz im Tempel ihres Gedankensystems einzuräumen; nur - was ist damit gewonnen? Keine Vertiefung. Keine Vertiefung der ergreifenden und mitreißenden Kraft, mit der Jesus in Wort, Leben, Sterben und Auferstehen auch und gerade bei einfachen Menschen bewirkte und bewirkt, dass sie ihr Leben gänzlich neu begannen und beginnen. Mit einer systematisierenden Glaubenstheorie - ohne Zweifel eine Wandelhalle für interessante Spiele mit Gedanken! - ist für das Leben im Glauben nichts gewonnen. Eine Spielhalle kann übrigens auch eine Spielhölle und, schlimmer, die Stätte einer götzendienerischen Spiegelfechterei sein...

2008-11-14

Zur Bedeutung der Historizität des religiös Relevanten

Geschichtlichkeit, Wirklichkeit, wirkliches Geschehen in einem religiös relevanten Sinne hängt nicht von geschichtswissenschaftlichen oder sonstwie wissenschaftlichen Befunden ab. Geschichtlichkeit, Wirklichkeit, wirkliches Geschehen in einem religiös relevanten Sinne ist Bedeutungsraum glaubender Zuwendung; er kommt als solcher in den Lebensgeschichten der Einzelnen und in der Menschengeschichte im allgemeinen umdeutend, umgestaltend, Fakten schaffend zur Welt.

Die biographischen Daten Goethes interessieren mich schlichtweg nicht, wenn Goethes Geist in einem Werk wie diesem über mich kommt:

Nachts, wann gute Geister schweifen,
Schlaf dir von der Stirne streifen,
Mondenlicht und Sternenflimmern
Dich mit ewigem All umschimmern,
Scheinst du dir entkörpert schon,
Wagest dich an Gottes Thron.
Selbst wenn sich jemand den Johann Wolfgang Goethe "nur" ausgedacht hätte, wäre die Wirkung des Goetheschen Werks auf überaus bedeutsame Weise wirklich.

2008-09-09

Ethos in der Nachfolge Abrahams

In seinem Aufsatz "Auf dem steinigen Weg Abrahams. Eine Skizze gemeinsamer Aufgaben von Juden, Christen und Muslimen" (1) führt Bertold Klappert aus, warum «Abraham [...] ein kritischer Maßstab für das Leben der Abraham-Nachkommen [...] ist». Er erinnert an Abrahams Appell an den Richter aller Welt, Recht zu üben (Gen 18), an Abrahams Kampf um die Rettung des einzelnen Menschenlebens, durch den er "Freund Gottes" genannt wird (Jes 41,8; Jak 2; Sure 4,125) und an Abrahams «Offenheit und Toleranz aus Identität, sich von Melchisedek (= "Mein König ist Gerechtigkeit") segnen zu lassen», und fragt: «Wie sieht [...] das Ethos dieses Gehens in der Nachfolge Abrahams aus? Was sind die gemeinsamen Aufgaben, in denen Juden, Christen und Muslime miteinander und zugunsten der ganzen Menschheit auf den Wegen Abrahams zusammenarbeiten können?»


Eintreten für den Einzelnen; Eintreten für den Schwachen:

«Aus Gen 18 [...] lernen wir: Abrahams Kampf um menschliche Gerechtigkeit ist ein Teil der Verwirklichung des Segens Abrahams für die Völkerwelt und die Menschheit.»
In Lukas 16,19-31 erscheint Abraham als Inbegriff des Eintretens für das, was zwischen Menschen und für Menschen recht und Recht ist.

«[...] Für die jüdische, muslimische und christliche Tradition der Nachfolge Abrahams [ist es] charakteristisch, die Rettung des einzelnen Menschenlebens und den Einsatz für das einzelne Menschenleben deutlich zu akzentuieren: Die Rettung auch nur eines einzelnen Menschenlebens ist oberstes Gebot und darin Teilnahme am Abraham-Segen und Realisierung der Abraham-Nachfolge. Die Ethik der Gerechtigkeit für die Gesellschaft im ganzen erhält also ihre Nagelprobe in der Ethik der Verantwortung für das Menschenleben im einzelnen.»
Übereinstimmend mit der jüdisch-christlichen Tradition lehrt der Koran: «"Wer einen Menschen getötet hat ..., so ist es, als habe er die ganze Menschheit getötet. Wer aber auch nur eines Menschen Leben rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet" (Sure 5,35).»
«Diese Ethik der Verantwortung für den einzelnen und der Rettung des einzelnen Menschenlebens konkretisiert die Abrahamverheißung von der Segnung aller Menschen und realisiert sie für die ganze Welt. Im Neuen Testament finden wir einen dieser Aussage im Koran entsprechenden und für die Jesustradition höchst charakteristischen Text im Jakobusbrief: "Was hilft es, Brüder und Schwestern, wenn jemand sagt, er habe [...] Glauben, aber keine Werke? [...] Du glaubst, daß es einen Gott gibt? Auch die Dämonen glauben das. Du siehst, daß der Glaube (Abrahams) zusammenwirkte mit seinen Werken. So aber glaubte Abraham Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, und er wurde ein Freund Gottes genannt" (Jakobus 2,14-26).»

«Das alte biblische Gesetz, wie dann die Propheten es verkündeten, ist vom Standpunkt des Kleinen, des Schwachen, des Bedürftigen aus geschrieben.»
Psalm 82 nennt «das Kriterium [...], von dem her die ELOHIM, die Götter der Völker, beurteilt und an dem sie gemessen werden: "Wie lange noch wollt ihr ungerecht richten und die Frevler begünstigen? Seid Richter dem Geringen und helft dem Elenden und Dürftigen zum Recht. Rettet den Geringen und Armen und befreit ihn aus der Gewalt der Gottlosen" (Ps 82,2-4).»


Toleranz als «Beziehung in Unterscheidung»; Denken vom Anderen her:

«Gen 14 [...] warnt [...] Juden, Christen und Muslime vor Überheblichkeit gegenüber den Nichtjuden, Nichtchristen und Nichtmuslimen: Es gibt die Segnung Abrahams durch den heidnischen König Melchisedek von draußen. Doch, es geht nach Gen 14 genau umgekehrt, als ihr aus eurer orthodoxen Tradition heraus erwarten würdet. [...]
Gen 14, die Begegnung des Abraham mit Melchisedek, ist [...] eine [...] Überlieferung, die über den Trialog (von Juden, Christen und Muslimen) hinaus das weite Feld der Begegnung und der Zusammenarbeit mit den außerabrahamitischen Religionen eröffnet und auch von dort her Segen, Segnung und Belehrung erwartet und erhofft.»

Ein dem Ethos Abrahams angemessener Dialog ist weder durch Exklusivität noch durch Überlegenheit noch durch Toleranz ohne Identität gekennzeichnet, sondern durch eine tolerante «Beziehung in Unterscheidung»: durch «das Denken von den anderen her (E. Lévinas) und die Faszination durch den Reichtum und die Schönheit der anderen».



«Wir haben deshalb eine Ethik der Wegbereitung für das Kommen des Reiches Gottes und seiner Gerechtigkeit in der Nachfolge Abrahams, Jesu Christi und Muhammeds zu entfalten.» (2)



_____________________

(1) In: RHEINREDEN, Schriftenreihe der Melanchton-Akademie Köln, Nr. 1/1996, S.54-63 (=V.); Neudruck: Themenheft Räumt die Steine hinweg...Jes. 62,10 der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Deutscher KoordinierungsRat, 1997.
(Publiziert im WWW vom Evangelischen Arbeitskreis Kirche und Israel in Hessen und Nassau und vom Internationalen Rat der Christen und Juden.)

(2) In meinem Eintrag 2007-07-10 habe ich aus dem Buch "Jesus von Nazareth. Erster Teil" von Joseph Ratzinger die Einwände des Autors gegen eine regnozentrische Sicht des christlichen Glaubens zitiert («Wer sagt uns eigentlich, was Gerechtigkeit ist? Was in der konkreten Situation der Gerechtigkeit dient? Wie Friede geschaffen wird? Bei näherem Hinsehen erweist sich das alles als utopistisches Gerede ohne realen Inhalt») und mich kritisch mit ihnen befasst.

2008-08-15

Relative und absolute Richtungen



Norden und Süden kulminieren in zwei Punkten großer Distanz, aber gleicher Unwirtlichkeit.

Westen und Osten hingegen taugen als Begriffe zu nichts weniger als zur absolut gesetzten Abgrenzung von relational Verschränktem.

Das Beste am Norden, Süden, Osten und Westen:
Hinterm Horizont geht es weiter.

2008-08-14

Religiöse Bildung

Meine Großmutter väterlicherseits hatte um 1900 herum noch den Katechismus, eine Batterie von Bibelsprüchen, ein halbes Gesangbuch und eventuell noch einen kirchengeschichtlichen Leitfaden auswendig zu lernen. Diese Kenntnisse schoss sie ein halbes Jahrhundert später, wenn sie mich als ihre "sonderliche" Enkeltochter bei Besuchen meinte begutachten zu müssen, wie Giftpfeile auf mich ab. Ich erlebte sie nie als eine gute Großmutter, obwohl (oder vielleicht weil?) sie in der Religion "gut bewandert und ausgebildet" war, und die Bibel, mit der sie mich malträtiert hatte, lernte ich erst nach ihrem Hingang als heilige Schrift schätzen.

Mitte des 19. Jahrhunderts (1854) hatte das preußische Kultusministerium die von Ferdinand Stiehl, Oberregierungsrat im preußischen Kultusministerium, ausgearbeiteten »Regulative für das Volksschul-, Präparanden- und Seminarwesen« erlassen. Sie wiesen einem theologisch konservativen Religionsunterricht und einem dynastisch-patriotischen Geschichtsunterricht die zentrale Stellung in der Volksschule zu, schrieben den Elementarschulen ein erdrückendes Maß an Memorierstoff aus Bibel und Gesangbuch vor und schlossen die Lehramtsanwärter von der Lektüre der klassischen Schriftsteller aus. Die Volksschullehrer sollten nicht räsonieren, sondern die Kinder zu arbeitstüchtigen und vor allem gehorsamen Untertanen und Kirchgängern heranbilden, gebunden an Patriotismus und vorgegebenes, vorgeschriebenes religiöses Formelwissen. (Siehe da.)
Dagegen stritt - seinerzeit ohne Aussicht auf Erfolg - Stiehls Antagogist, der Lehrerseminarleiter F. Adolph W. Diesterweg, mit bildungstheoretischen und psychologischen Argumenten:

"Es giebt Viele, welche meinen, man müsse den Lehrern nur Richtiges, Unbedingtes und Absolutes hingeben, und sie zur unbedingten, wenn auch zum Theil erzwungenen und sklavischen Annahme und Befolgung der aufgestellten Satzungen bestimmen. Zu diesen gehöre ich nicht. Ich kann mir keine wahre, selbsteigene, d.h. zu eigen gewordene Bildung denken, ohne Untersuchung und Prüfung, ohne Selbstdenken und Anstrengung."
[Wegweiser zur Bildung für deutsche Lehrer. (1834)]

Ja, was ist Bildung?
Was ist Religiosität?
Was ist religiöse Bildung?
Soll der je eigene Weg der jungen Menschen bei der Entwicklung ihrer Religiosität eine Rolle spielen? Ist tradierte Religion Anregung und Angebot für die je eigene religiöse Entwicklung? Oder ist sie Vorschrift und Lernstoff, so dass in ihrem Namen die je eigenen Wege unterbunden werden müssen?
Angeregt durch ein Zitat Khaled Abou El Fadls: "piety creates and pursues the rules but rules do not create piety", frage ich allgemeiner:
Entwickelt sich durch die Übernahme einer Religion eine Beziehung zu Gott? Oder entsteht Religion durch die Beziehung zu Gott?
Ist Religion außer uns oder in uns zu suchen?
Wie kann das Verhältnis zwischen statutarischer (in Sätze und Satzungen gegossener) Religion und innerer (vom Gläubigen geglaubter und gelebter) Religion gesehen werden?
In welcher Beziehung steht die Aneignung des systematisierten Wissens und die gewohnheitsmäßige Übernahme der rituellen Praktiken einer tradierten Religion zur Eigentlichkeit individuellen Glaubens?
Muss Glauben eine Sache des Gehorsams gegenüber einer Religion als Vorgeschriebenem sein? Oder kann unter Glauben, fernab von Vorschriften und Gehorsam, die freudige Bereitschaft verstanden werden, auf den erfahrenen (oder ersehnten) Liebesanspruch Gottes liebevoll zu antworten?
Und was folgt aus den möglichen Antworten auf diese Fragen für die religiöse Erziehung? Und kann eine religiöse Erziehung, in der der Glaube als Pflicht vermittelt ist, den so Erzogenen religiös soweit zurechtstutzen, dass er nicht mehr fähig und geneigt ist, eine tiefere Religiosität zu entfalten? Und ist das weniger bedenklich, als wenn er seinen Glauben von den an ihn herangetragenen Religionsnormen abweichend weiterentwickelt?

Rechthaben und Dialog

Jedem, dem am Rechthaben in seinen eigenen Angelegenheiten oder in denen seines Vereins liegt, vergönne ich's mit gleichmütigem Respekt. Tritt er aber vor sein Vereinshaus auf den Marktplatz hinaus, sollte sich der Rechthaber vom Schwenken seiner Fahne und vom Herzeigen seiner Positionspapiere nichts Wesentliches versprechen; da muss er mit anderen Schwenkern anderer Fahnen rechnen - und mit Ärgerem: mit Rednern, die, ohne mit einer Fahne bewaffnet zu sein, vorschlagen, die öffentlichen Phänomene, Divergenzen und Konkurrenzen nicht wie auf Wahlveranstaltungen oder wie in fraktionszwangsgelähmten Parlamentsdebatten anzugehen, sondern in offenem und freiem Auftreten, das
* deutlich macht, von welchen Voraussetzungen es bestimmt ist, aber respektiert, dass diese Voraussetzungen nicht bestimmend sein müssen für andere, und das
* hinreichend nüchtern (daher ohne Fahne) ist und, wenn es auf sachliches Verständnis (nicht unbedingt auf Verständigung) ankommt, für die Dauer der Begegnung im Raum sogar die eigene Raumkapsel verlässt -: so distanziert vom eigenen Credo, braucht man ja seine Versorgungsschläuche keinesfalls zu kappen.
Wem solche Ausflüge zu waghalsig erscheinen oder wer darin Verrat an der Heimat wittert, dem sei der Friede vergönnt, den er hat, wenn er sich hinter seinem Ofen den Grundsatzpapieren der Partei seiner Wahl widmet:

Beatus ille homo
Qui sedet in sua domo
Et sedet post fornacem
Et habet bonam pacem!

[Joseph von Eichendorff, 1820/21]

Apotheose / Deifikation / Sanktifikation / Kanonisation / Beatifikation / Idolisierung / Heroisierung

Die Apotheose (Deifikation / Sanktifikation / Kanonisation / Beatifikation / Idolisierung / Heroisierung) von Menschen dürfte auf dem Urbedürfnis gründen, diejenigen Tugenden und Tüchtigkeiten unverletzlich und personifiziert festzumachen, die - entgegen der Unvollkommenheit und Armseligkeit des tatsächlich gelebten Lebens - dem eigenen Lebensentwurf Sinn, Zweck, Orientierung und Rückhalt geben.

Die Erhebung menschlicher Vorbilder in spirituelle Gefilde schafft vielen Menschen die Möglichkeit, sich zu identifizieren, d.h. eine Identität zu gewinnen. Der Verankerung dieser gefundenen Identität in das Selbst dient die Ritualisierung, insbesondere wenn sie in der Gemeinschaft mit einem oder möglichst vielen gleichgesinnten Mitmenschen gepflegt wird.

Wir befinden uns hier im anthropologischen Dreiländereck Psychologie/Religion/Politik, dessen Tektonik sowohl besondere Achtung als auch besondere Achtsamkeit gewidmet werden sollte. (Ohne Zahl nämlich sind die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die skrupellos, weil im Namen des Vergötterten, begangen worden sind; und dieser unterirdische Schoß ist fruchtbar noch.)

Was nachhaltig unverletzlich (geheiligt) sein soll, bedarf der Mystifizierung; denn nur das hinreichend Geheimnisvolle entzieht sich dem schnöden Zugriff der Sinne und der Hinter-Fragen. Dass das gelinge, ist der Zweck der Geheimkunst verzaubernder Verhüllung. Die Rolle derer, die nicht eingeweiht sind, was unter der Hülle vor sich gehen mag, sondern nur, dass da etwas vor sich gehe, ist, sich durch rituelles Feiern des Geheimnisses in ein spirituelles Hochgefühl zu versetzen und so die Konservierung der Heiligkeit des heiligenden Vorgangs zu rahmen und mitzutragen. Dadurch, fürwahr, vermittelt sich den einzelnen ein Gefühl der Einbettung in ein Großes, Ganzes und ein Bewusstsein bedeutungsvoller Identität.

Phänomenologisch betrachtet weisen manch Religiöses einerseits und manch Volksverführerisches andererseits gleiche Strukturen auf
* in der Art, wie sie ihre Inhalte und Ziele idealisieren und der Kritik zu entziehen suchen,
* in der Art, wie sie ihre Ideale symbolisieren und wie sie wiederum ihre Symbole erhöhen,
* in den Methoden der Rollenzuweisung an die Einzelnen und der Vergemeinschaftung der Einzelnen,
* in den Methoden der Verbreitung und des Schutzes ihrer Inhalte und
* in der solennen Ritualisierung des Umgangs mit ihren Inhalten und Symbolen.

Religiöse Menschen sollten eine Auseinandersetzung mit dieser strukturellen Nähe nicht scheuen; im Gegenteil. In diesem Thema steckt einiges drin, was durch Hinweise auf das geglaubte absolute Wahrheitswissen der jeweils eigenen Glaubensgemeinschaft völlig unzureichend behandelt wäre. So manche Massenideologie und so manches demagogisches Politkonzept neigen zu einer religionsanalogen Selbstheiligung und sind darin immer wieder erfolgreich. Umgekehrt gibt es religiöse Strömungen, die, wenn man ihnen freien Lauf lässt, zur Durchsetzung ihrer Heiligkeitsanschauung sich der Mittel ideologiehafter Suggestion, totalitärer Gehirnwäsche und terroristischer oder tyrannischer Gewaltanwendung bedienen. Wenn zur Durchsetzung ihrer Weltanschauung Potentaten sich heiligen lassen und Religiöse zu struktureller oder physischer Gewalt greifen, liegt die Frage nach dem Begriff des Heiligen und nach der Rechtfertigung von Heiligungen auf dem Tisch des Hauses, und sie schreit danach, anthropologisch - psychologisch, theologisch, politologisch - beackert zu werden.

Zwei Vorfragen stelle ich mir:
1. Was ist der Grund für die Entsprechung religiöser und nichtreligiöser Gleichschaltungsstrategien?
2. Wie lasse ich mich von dem Heiligen ergreifen?

Zu 1.
Ich unterscheide zwischen den Begriffen der Glaube und das Glauben.
Unter letzterem verstehe ich eine (re)konstruktive und produktive, nie bloß rezeptive und reproduktive geistige Tätigkeit: sich suchend annähern, sich um rechtes Verstehen der Botschaft bemühen, die Bedeutung der verstandenen Botschaft für sich selbst entdecken, dem Boten vertrauen, sich auf die in seiner Botschaft liegenden Konsequenzen einstellen durch Arbeit an sich und botschaftsgerechtes Handeln.
Hingegen ist der Glaube keine Tätigkeit, sondern etwas Vorentschiedenes, Angenommenes, an dem man (sich) festhält, das man reproduziert, das man vielleicht auch nur schlicht rezipiert hat.
Der Dynamik und Personengebundenheit, die das Glauben kennzeichnet, steht die Statik und Vermittelbarkeit gegenüber, die den Glauben ausmacht. Der statische, vermittelbare Glaube hat mit der Ideologie die Vorgegebenheit und die Tendenz zur Wahrung des Vorgegebenen gemein. Beständig kann Vorgebenes nur sein, wenn es übernommen wird, wie es ein für allemal geschaffen worden ist. Der Rezipient ist daher auf Traditionstreue festgelegt. Darin aber liegt eine fundamentale Gleichschaltungstendenz beschlossen.
Im Unterschied dazu begegnen dem in dem anderen Sinn Glaubenden in Glaubensbrüdern und -schwestern nicht Gleichgläubige oder, parteiisch ausgedrückt, Rechtgläubige, sondern Dialogpartner.

Zu 2.
Häufig schwelge ich im Zustand der Verzauberung und gebe mich ihm hin. Der Schein einer Kerzenflamme, Schubertsche Klänge, Barfußlaufen am Brandungssaum, das Mienenspiel meines Enkelsöhnchens, das Schlagen meiner Gartennachtigall, Erinnerung an meine Mutti selig, eine Kleistsche Novelle, die schnurrig-schmusige Zufriedenheit meines Kätzchens und auch, sehr oft: ein plötzliches Gefühl des unerklärlichen Aufgehobenseins, der Geborgenheit, mitten in der Misere.
Diese Hingabe wird von meinem Verstand gnädig gebilligt, und wohlwollend gibt er mir Urlaub von sich und sich Urlaub von mir.
Das Schöne wie das Erhabene, das Heilige inbegriffen, sind die Ambrosia meiner kleinen Seele, und mein Intellekt ist, Gott sei Dank, nicht so despotisch, mir diese Atzung madig zu machen. Allerdings war er bei der Inkubation der meisten meiner bisherigen Verzauberungen mitspracheberechtigt und hatte Gelegenheit zu vermelden, ob die bevorstehende Hingabe sich zur Selbstaufgabe auszuwachsen drohe. So gelang es mir bislang meistens, hingegeben ganz und ganz ich zu bleiben (oder gar zu werden) und nicht zum Spielball des Verzaubernden.
Das Gesagte betrifft voll und ganz auch mein Verhältnis zum Heiligen (und zu Heiligen). Geheiligt (als Unverletzliches achtenswert) ist für mich nur dasjenige Erhabene, das mich und mit mir jeden anderen heiligt (in mir und jedem anderen das Unverletzliche achtet und uns so heil lässt oder heil macht).
Daher kann mir mein Vaterland nicht heilig sein - es mangelt ihm (wie jedem anderen Vaterland) sowohl an der Erhabenheit als auch am Heil-Bringen. Auch ein Despot kann mir nicht heilig sein, und wäre er der Allmächtige selbst - ihm, dem Lieblosen und Ungeliebten, kommt es nicht darauf an, ob er oder ob er nicht Vertrauen zu denen haben kann, die er unterdrückt, sondern nur auf die Durchsetzung seiner Macht.
Solcherlei Kritik muss aushalten, was oder wer sich anschickt, mich als Heiliges in seinen Bann zu ziehen. Mich verschlingen lassen will ich nicht, und wäre der Schlund auch noch so schön oder schaurig.

Der Verstand kann auch zu korrupten Zwecken prostituiert werden, nämlich dann, wenn die praktische Vernunft (als "das Vermögen sittlicher Prinzipien" - Kant -) unterentwickelt ist oder sich von Trieben hat breitschlagen lassen.
Das steckte in meinem Oberstübchen, als ich dieses für mich gültige Prinzip niederschrieb: "Geheiligt (als Unverletzliches achtenswert) ist für mich nur dasjenige Erhabene, das mich und mit mir jeden anderen heiligt (in mir und jedem anderen das Unverletzliche achtet und uns so heil lässt oder heil macht)." Was mich verschlingen oder erdrücken will oder andere entwürdigen oder vernichten will, kann mir nicht heilig sein.

Daher ist beispielsweise diejenige Gottesprojektion, die im Buch Ezechiel, Kapitel 9 vorgenommen ist, ein Gräuel, eine Fratze des Heiligen, das Unheilige schlechthin:

Die Herrlichkeit des Gottes Israels schwebte von den Kerubim, über denen sie war, hinüber zur Schwelle des Tempels. Er rief den Mann, der das leinene Gewand anhatte und an dessen Gürtel das Schreibzeug hing. Der Herr sagte zu ihm: Geh mitten durch die Stadt Jerusalem und schreib ein T auf die Stirn aller Männer, die über die in der Stadt begangenen Gräueltaten seufzen und stöhnen.
Und ich hörte, wie er zu den anderen sagte: Geht hinter ihm her durch die Stadt und schlagt zu! Euer Auge soll kein Mitleid zeigen, gewährt keine Schonung! Alt und jung, Mädchen, Kinder und Frauen sollt ihr erschlagen und umbringen. Doch von denen, die das T auf der Stirn haben, dürft ihr keinen anrühren. Beginnt in meinem Heiligtum!
Da begannen sie bei den Ältesten, die vor dem Tempel standen. Er sagte zu ihnen: Macht den Tempel unrein, füllt seine Höfe mit Erschlagenen! Dann geht hinaus und schlagt in der Stadt zu!
Sie schlugen zu und ich allein blieb übrig; da fiel ich nieder auf mein Gesicht und schrie: Ach, Herr und Gott, willst du deinen ganzen Zorn über Jerusalem ausschütten und auch noch den letzten Rest Israels vernichten?
Er sagte zu mir: Die Schuld des Hauses Israel und des Hauses Juda ist groß, ja übergroß. Das Land ist voll Blutschuld, die Stadt ist voll Unrecht. Sie sagen: Der Herr sieht es nicht; der Herr hat das Land verlassen.

Ein Gott, der nicht bedenkt, dass Kinder keine Schuld vor ihm haben können, auch die Schuld ihrer Väter nicht zu beurteilen und folglich nicht zu beklagen wissen und daher kein rettendes T auf die Stirn gemalt bekommen, und der diese Kinder zum Schlachtopfer macht, zwecks Befriedigung seiner Rachegelüste, gehört ins Reich der üblen Träume, aber nicht in das, was ich eine heilige Schrift nennen möchte.

Hingegen erkenne ich Heiligkeit und sogar jesuanischen Geist in der chassidischen Erzählung "Einen Menschen umbringen" (die hier nachzulesen ist), an deren Ende es heißt:

Die Thora [lehrt uns]: einen Menschen umbringen, das muss Gott allein uns befehlen, und hat er`s schon getan, wenn dann das winzigste Englein kommt und uns sagt: 'Streck deine Hand nicht aus', so haben wir dessen Spruch zu folgen.
Amen.

Aber: Es ist würdig und recht, das Erhabene, Schöne, ja Erotische des Heiligen in den Schalen der Ästhetik zu bewahren. Von dort mag es den Dürstenden und Trunkenen, Hungernden und Satten, Sehenden und Blinden, Hörenden und Tauben, Pilgernden und Sesshaften zulächeln:

Marica Bodrožic': Ein Kolibri kam unverwandelt

Ein Kolibri kam unverwandelt
in die Gattung der Träume hinein,
sah sich um, sah die dort vorhandenen
Menschen, malte seine Flügel blau und sagte
zu den Zweibeinigen: ich bin der Himmel.
Die Farbe sprach dafür.
Aber die Leute hatten keine Beweise.
Also schwiegen sie feige um die Schönheit
herum, gaben vor, Diplomatie zu betreiben.
Sie rechneten, betrieben Kalkulation
und teilten am Ende dem Kolibri mit,
man habe beschlossen, Farbe,
das sei Illusion. Der Vogel staunte,
er lernte das Staunen unvermittelt
von den Menschen, flog zu den lila Blüten,
setzte sich hin und packte sein Zauberbuch aus.
Dann blätterte er einige Mal hin und her,
verwandelte sich in einen Schmetterling,
malte seine Flügel blau und sagte
zu den Menschen: ich bin der Himmel.
Die Farbe sprach dafür.
Aber die neuen Kinder hatten keine Träume mehr.
Sie nahmen das sprechende Wunder
zwischen die Finger. Und erst der Staub
rief sie ins Staunen. Der Schmetterling
wurde unterdessen gelb, flog in die Urgegend
der Bilder, ruhte auf den reifenden Zitronen,
wurde ein Kolibri, kam unverwandelt
in die Gattung der Träume hinein,
sah sich um, sah die dort vorhandenen
Menschen, und hatte Geduld.

Schlußbemerkung: Ein hervorragendes, vielleicht einziges Korrektiv gegen die Irrungen apotheotisch abgehobenen Geistes ist die Satire. Ich darf als leuchtendes Beispiel die Divi Claudii Apocolocyntosis (Verkürbissung des gerade vergöttlichten Kaisers Claudius) von Lucius Annaeus Seneca erwähnen (Latein, mit deutscher Übersetzung, bei gottwein.de).
Manch ein Heiliger sollte von seinem Sockel heruntergelacht werden - um der Idee des Heiligen willen. (Freilich kann solche Desekrationstätigkeit auch eine Art (negative) Idolatrie sein, wenn sie aus Lust oder Neid das Kind mit dem Bade ausgießt und in den Schmutz zieht; da muss man halt auf sich selbst aufpassen.)

Glaube und Gottesliebe

Ich lasse mich gern spielerisch und entdeckungsfreudig auf christliche und nichtchristliche Variationen bzw. Parallelführungen der jesuanischen Kernaussage ein.

Augustinus (Vorträge zum Johannesbrief an die Parther 5,7):

Dilectio ergo sola discernit inter filios dei et filios diaboli. Signent se omnes signo crucis Christi; respondeant omnes, amen; cantent omnes, alleluia; baptizentur omnes, intrent ecclesias, faciant parietes basilicarum: Non discernuntur filii dei a filiis diaboli, nisi caritate. Qui habent caritatem, nati sunt ex deo: Qui non habent, non sunt nati ex deo. Magnum indicium, magna discretio. Quidquid vis habe; hoc solum non habeas, nihil tibi prodest: Alia si non habeas, hoc habe, et implesti legem.
Die Liebe allein also unterscheidet zwischen den Söhnen Gottes und den Söhnen des Teufels. Mögen sich alle mit dem Zeichen des Kreuzes bezeichnen, mögen alle Amen antworten, mögen alle Halleluja singen, mögen alle sich taufen lassen, in die Kirchen eintreten, Kirchenwände errichten: Der Unterschied zwischen den Kindern Gottes und den Kindern des Teufels liegt einzig und allein im Besitz der Liebe. Die die Liebe haben, sind aus Gott geboren, die sie nicht haben, sind nicht aus Gott geboren. Ein sicheres Indiz, eine sichere Unterscheidung. Magst du haben, was immer du willst; hast du dies allein nicht, nützt es dir nichts. Magst du anderes nicht haben, bemühe dich um dies, und du hast (damit) das Gesetz erfüllt.

Rābi'a al-'Adawiyya (717-801):

O mein Herr,
wenn ich Dich anbete aus Furcht vor der Hölle,
verbrenne mich in der Hölle,
und wenn ich Dich anbete aus Hoffnung auf das Paradies,
schließe mich davon aus.

Aber wenn ich Dich anbete um Deiner Selbst willen,
dann versage mir nicht Deine ewige Schönheit.

Omar Khayyam (Chajjam):

Although the creeds number some seventy-three,
I hold with none but that of loving Thee;
What matter faith, unfaith, obedience, sin?
Thou'rt all we need, the rest is vanity.

Aus den Erzählungen der Chassidim (gesammelt und übersetzt von M. Buber):

Einmal war der Sinn des Baalschem so gesunken, daß ihm schien, er könne keinen Anteil an der kommenden Welt haben.
Da sprach er zu sich: "Wenn ich Gott liebe, was brauche ich da eine kommende Welt?"


2008-07-18

Autonomie des Denkens?

Sokrates: Ich folge nicht dem väterlichen Nomos; ich folge nicht dem Belieben. Ich folge dem Logos.

2 B continued.

2008-06-16

Kants Postulat der Existenz Gottes

In seiner Kritik der reinen Vernunft (B 857) schreibt Kant, er sei (nicht es sei, sondern: er sei) moralisch (nicht logisch, sondern: moralisch) gewiss, dass ein Gott sei. Die Vernunfterkenntnis der inneren Notwendigkeit, dass ein sittliches Gesetz sei, ist für Kant das Entscheidende; praktische Gründe ("um jenen Gesetzen Effekt zu geben") führen ihn zu der "Voraussetzung einer selbständigen Ursache, oder eines weisen Weltregierers". Diese Voraussetzung kennzeichnet er aber ausdrücklich als eine Hilfskonstruktion für "die letzten Zwecke der Vernunft", nämlich des Handelns im Einklang mit den (der Vernunft immanenten) Moralgesetzen, nicht etwa als einen realen und real wirkenden Gegenstand der Erkenntnis.
"Wir werden", schreibt er (B 847), "Handlungen nicht darum für verbindlich halten, weil sie Gebote Gottes sind, sondern sie darum als göttliche Gebote ansehen, weil wir dazu innerlich verbindlich sind."
Formal könnte man diesen Kantschen Vernunftglauben in Übereinstimmung sehen mit der islamischen Regel, die Religion dürfe nicht elementaren Vernunftregeln widersprechen. Aber diese Entsprechung trägt nicht weit genug, um zu behaupten, dass der Gott des Philosophen Kant, nach dem restlos(!) alle Gottesbilder bloße austauschbare Hilfsvorstellungen sind, "nicht anders" sei als etwa der sich Abraham/Ibrahim offenbarende Gott.

«Also ist die oberste Ursache der Natur, so fern sie zum höchsten Gute vorausgesetzt werden muß, ein Wesen, das durch Verstand und Willen die Ursache (folglich der Urheber) der Natur ist, d.i. Gott. Folglich ist das Postulat der Möglichkeit des höchsten abgeleiteten Guts (der besten Welt) zugleich das Postulat der Wirklichkeit eines höchsten ursprünglichen Guts, nämlich der Existenz Gottes.»
[Kant: KpV - Das Dasein Gottes, als ein Postulat der reinen praktischen Vernunft]

Kants Postulat der Existenz Gottes (ebenso wie das Postulat der Unsterblichkeit) stellt das - nach Kant - sonst fehlende Bindeglied her zwischen den beiden Teilen des höchsten Guts: der Sittlichkeit und der Glückseligkeit. Das Ziel der Glückseligkeit müsse dem Gesetz der Sittlichkeit "angemessen" sein, daher sei es "moralisch notwendig, das Dasein Gottes anzunehmen", schreibt er (a.a.O.). Er weist aber ausdrücklich darauf hin,
a) "dass diese moralische Notwendigkeit subjektiv, d.i. Bedürfnis, und nicht objektiv, d.i. selbst Pflicht sei" und
b) "dass die Annehmung des Daseins Gottes" nicht etwa "als eines Grundes aller Verbindlichkeit überhaupt notwendig sei" (denn der Grund aller Verbindlichkeit beruht nach Kant "lediglich auf der Autonomie der Vernunft selbst").
Nur unter diesen Voraussetzungen will er verstanden wissen, was er weiter schreibt: dass nämlich die "Hervorbringung und Beförderung des höchsten Guts in der Welt" "unsere Vernunft nicht anders denkbar findet, als unter Voraussetzung einer höchsten Intelligenz". Für die theoretische Vernunft, schreibt er, ist diese Annahme "Erklärungsgrund", Hypothese; in Beziehung auf die dem moralischen Gesetz verpflichtete praktische Vernunft kann diese Annahme "Glaube, und zwar reiner Vernunftglaube, heißen".
Wie Kant weiter aufzeigt, "ist das höchste Gut in der Welt nur möglich, so fern eine oberste Ursache der Natur angenommen wird, die eine der moralischen Gesinnung gemäße Kausalität hat. Nun ist ein Wesen, das der Handlungen nach der Vorstellung von Gesetzen fähig ist, eine Intelligenz (vernünftig Wesen) und die Kausalität eines solchen Wesens nach dieser Vorstellung der Gesetze ein Wille desselben." Und dann folgt der bereits zitierte Schluss: "Also ist die oberste Ursache der Natur, so fern sie zum höchsten Gute vorausgesetzt werden muß, ein Wesen, das durch Verstand und Willen die Ursache (folglich der Urheber) der Natur ist, d.i. Gott. Folglich ist das Postulat der Möglichkeit des höchsten abgeleiteten Guts (der besten Welt) zugleich das Postulat der Wirklichkeit eines höchsten ursprünglichen Guts, nämlich der Existenz Gottes."

Zur Frage der Gottesvorstellung sagt Kant:

«[...] Wir bedürfen, um uns übersinnliche Beschaffenheiten faßlich zu machen, immer einer gewissen Analogie mit Naturwesen.»
[Kant: AA VI, Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, Seite 064]

Damit sagt er aber etwas über uns und unser Vorstellungsvermögen aus, und nichts über den Gegenstand der Vorstellung.

2008-05-04

Im Schauen eins.

Das Auge, in dem ich Gott sehe, das ist dasselbe Auge, darin mich Gott sieht;
mein Auge und Gottes Auge, das ist ein Auge und ein Sehen und ein Erkennen und eine Liebe.
Der Schauende und das Geschaute werden im Schauen eins.

Meister Eckhart

2008-05-01

Existiert der Tod?


Jeder steht vor seinem eigenen Tod; jeder steht vor den Toden aller lebenden Lebewesen, an die er denkt; jeden berührt, erschüttert oder befriedigt der Gedanke an die Tode früherer Lebewesen. Jedes Lebewesen hat sein eigenes Leben und, als dessen Ende, seinen eigenen Tod.
Mein Leben existiert nicht; ich aber existiere. Dein Leben existiert nicht; du aber existierst.
Mein Tod und dein Tod existieren nicht; sie bedeuten aber - unter Umständen - das Ende meiner bzw. deiner Existenz. (Seneca: "mors est non esse".)

Sofern mit dem Wort "Tod" ein Sammelbegriff für die einzelnen Tode aller einzelnen Lebewesen bezeichnet wird, existiert "Tod", aber eben nur als Wort und als der durch das Wort bezeichnete Begriff.
Der Tod ist in jeder Hinsicht substanzlos, sine substantia; weder ist er ein Wesen noch hat er ein Wesen. Er ist nichtexistent. Er ist der Übergang eines Lebewesens von der Existenz in die Nichtexistenz, der nur aufgehoben ist durch die Erinnerung, die sich das vergangene Lebewesen gegenwärtig zu halten versucht. Poetisch hat dies Friedrich Hebbel in seinem "Requiem" ausgedrückt:


Seele, vergiss sie nicht,
Seele, vergiss nicht die Toten!

Sieh, sie umschweben dich,
Schauernd, verlassen,
Und in den heiligen Gluten,
Die den Armen die Liebe schürt,
Atmen sie auf und erwarmen
Und genießen zum letzten Mal
Ihr verglimmendes Leben.

Seele, vergiss sie nicht,
Seele, vergiss nicht die Toten!

Sieh, sie umschweben dich,
Schauernd, verlassen,
Und wenn du dich erkaltend
Ihnen verschließest, erstarren sie
Bis hinein in das Tiefste.

Dann ergreift sie der Sturm der Nacht,
Dem sie, zusammengekrampft in sich,
Trotzten im Schoße der Liebe,
Und er jagt sie mit Ungestüm
Durch die unendliche Wüste hin,
Wo nicht Leben mehr ist, nur Kampf
Losgelassener Kräfte
Um erneuertes Sein!

Seele, vergiss sie nicht,
Seele, vergiss nicht die Toten!


"Existiert der Tod?" ist ein Sprachgebilde, das sich in semantischer Hinsicht als leer erweist.
Zum Erweisen der Sinnhaftigkeit oder der Sinnlosigkeit eines sprachlichen Gebildes gehört mehr als die Feststellung, ob dessen Konstituenten korrekt, einer bestimmten Syntax entsprechend, zusammengefügt sind, nämlich eine Betrachtung dieser Konstituenten als Signifikanten: Auf welche Signifikate sollen/können die Konstituenten verweisen? In welcher Beziehung zueinander sollen/können die Signifikate stehen?

Manchmal ist diese Betrachtung einfach:
"Ist eine Primzahl denkbar, die heller ist als die deutsch-österreichische Grenze?" Diese syntaktisch fraglos korrekt gebildete Frage mag für jemanden eine "Inhaltsebene" eröffnen, der sich mit den definierenden Merkmalen ihrer Konstituenten (Primzahl, Helligkeit, deutsch-österreichische Grenze) nicht befasst (hat) oder aber der die prinzipielle Arbitrarität des Significans (bei gegebenem Significandum) zu einer Arbitrarität des Signifikats (bei gegebenem Signifikanten) erweitert und unter "Primzahl" oder "Helligkeit" oder "deutsch-österreichische Grenze" etwas Unübliches versteht, das offenzulegen er - der diskursiven Kommunikation halber - in der Pflicht steht. Ich meine erweisen zu können, dass "Ist eine Primzahl denkbar, die heller ist als die deutsch-österreichische Grenze?" eine semantisch "leere" Frage ist - "leer" im Sinne des Sinnmangels oder des Unsinns.

Manchmal ist diese Betrachtung nicht so einfach:
"Existiert der Tod?"

Meine Thesen (im wesentlichen bereits vorgetragen):

1. Unter "Tod" verstehe ich das, auf das er sich phänomenologisch reduzieren lässt: den Lebensverlust einer Lebenseinheit. Ihr Tod beendet ihre vitale Existenz.
(Anmerkung: "Beenden" nicht als Verlauf oder Operation in einer Zeitspanne (das wäre "Sterben", nicht "Tod"), sondern als zeitpünktliches Abbrechen.)

2. Jeder absterbenden Lebenseinheit widerfährt ihr ganz eigener konkreter Tod und nicht "der" Tod. Wohl kann man die Gesamtheit aller individualen Tode in dem Sammelbegriff "der Tod" zusammenfassen; aber weder ist es dieser abstrakte Tod, der das Leben eines Individuums beendet, noch ist das Lebensende eines Individuums die Gesamtheit aller individualen Tode.
(Anmerkung: Individual nenne ich den Tod, um auf seinen Bezug zum Individuum hinzuweisen; das Attribut "individuell" würde eine von diesem Bezug unabhängige Eigenschaft ausdrücken.)

3. Existiert der Tod?

3.1. Begriffe vom Tod existieren; das ist unbestritten.

3.2. Die Universalie "der Tod" (s. These 2) verbleibt in der bloßen Begrifflichkeit, ohne Bedeutung für ein reales Objekt, wenn sie nicht wieder rückgeführt wird auf den individualen Todesbegriff. Was der abstrakte Todesbegriff bezeichnet, existiert nur gedanklich, nicht aber in der Welt, auf die sich diese Gedanken beziehen. Es existieren wohl Projektionen der Universalie "der Tod" in die Realität hinein, dergestalt dass dem Tod Wesenhaftigkeit zugeschrieben wird. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass solche Hypostasen, Allegorisierungen und Personifizierungen fiktionale Modellierungen sind und bleiben, auch wenn die psychologisch-mythologische Sprachgewalt ihrer Bilder geeignet ist, der Anschauung von Welt bestimmte Bedeutungen aufzumodulieren.

3.3. Nun zur Frage, ob der individuale Tod (s. These 2) existiere. Ich untersuche ihre Semantik anhand konkreterer Fragen und unter Rückgriff auf mein Todesverständnis (s. These 1):

a) Existierte mein Tod schon immer? Das heißt: Existierte das Ende meiner Existenz schon immer?

b) Existiert mein Tod unabhängig von meiner Existenz? Das heißt: Existiert das Ende meiner Existenz unabhängig von meiner Existenz?

c) Existierte mein Tod schon vor Beginn meiner Existenz? Das heißt: Existierte das Ende meiner Existenz schon vor Beginn meiner Existenz?

d) Existiert mein Tod gerade jetzt? Das heißt: Existiert das Ende meiner Existenz gerade jetzt?

e) Existiert mein Tod vor dem Ende meiner Existenz? Das heißt: Existiert das Ende meiner Existenz vor dem Ende meiner Existenz?

f) Wird mein Tod genau am Ende meiner Existenz (und nur dann) existieren? Das heißt: Wird das Ende meiner Existenz genau am Ende meiner Existenz (und nur dann) existieren?

g) Wird mein Tod nach dem Ende meiner Existenz existieren? Das heißt: Wird das Ende meiner Existenz nach dem Ende meiner Existenz existieren?

h) Wird mein Tod nach dem Ende meiner Existenz auf ewig existieren? Das heißt: Wird das Ende meiner Existenz nach dem Ende meiner Existenz auf ewig existieren?

Auf keine dieser Fragen lässt sich anders entgegnen als mit der Feststellung, dass sie sich auf den ersten oder auf den zweiten Blick als unsinnig (semantisch leer) erweist. Das gilt auch für die Fragen unter f: Es ist undenkbar, dass irgendetwas am Ende meiner Existenz beginnt zu existieren und zum selben Zeitpunkt aufhört zu existieren, was hieße, dass sein Anfang durch sein zeitgleiches Ende aufgehoben würde oder dass es zugleich existierte und nicht existierte.

Zusammenfassung:
Fernab aller metaphysischer, religiöser oder haarspalterisch-quantentheoretischer Gedankenführung (letztere etwa nachzulesen in den Webpublikationen Quantum Teleportation und Does Death Exist? - Maybe not, according to some quantum theorists) habe ich dargelegt:
1. Der Begriff "Tod" existiert, nicht aber der Inhalt dieses Begriffs.
2. Dem Tod stellt sich die Erinnerung entgegen. (Möge die Erinnerung versöhnlich sein, auf dass die Toten in Frieden ruhen.)

Illustration: Andreas Paul Weber, Der kleine Sarg (1950/55)

2008-04-16

Bibel und Koran

Ich finde den Vergleich von Koranstellen und entsprechenden Bibelstellen immer wieder spannend. Gerade auch durch die unterschiedlichen Erzählweisen und Inhalte der Abraham-Geschichte verstärkt sich mein Eindruck, dass die Intention der Korantexte die Verherrlichung Gottes, die Verehrung seiner Propheten und die Festlegung heiliger Vorschriften ist. Wiewohl dies durchaus auch die Absicht der Bibel ist, stellt diese die Verletzlichkeit, die Problematik und die Dramatik der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk (und allgemeiner: zwischen Gott und Mensch) ausführlicher und - nach meinem Empfinden - intensiver als der Koran dar, in großen Teilen sozusagen aus einer zerknirschten Kniebeuge heraus. Das ist der Unterschied zwischen dem, was als Gottes unmittelbar geoffenbartes Wort geglaubt wird, und dem sich im Menschenwort offenbarenden Wort Gottes.

2008-03-27

"Rechtlich" - Deutsch-Englisch-Übersetzungsproblem


rechtlich (in einem von Gesetzgebung und Rechtsprechung unabhängigen Sinne)

Ich suche nach einem Adjektiv mit dem gleichen Bedeutungsumfang wie das Nomen "Recht", engl. "right".
Das englische "legal" scheint mir wegen seiner Herkunft (lat. lex, legis; dt. Gesetz) zu stark bezogen zu sein auf von Menschen vereinbarte oder angeordnete Gesetze, als dass es dem Bedeutungsumfang von dt. "rechtlich" voll entspräche. Es gibt Rechte, die ein Mensch unabhängig davon hat, ob sie ihm von einem gesetzgebenden oder einem rechtsprechenden Organ gewährt sind. Ein Blick in die Welt, in die Geschichte oder auf die eigene Lebenserfahrung zeigt hinlänglich, dass die Wahrnehmung von Rechten durchaus illegal sein und legales Handeln gegen Menschenrechte verstoßen kann. Auch dt. "legitim", engl. "legitimate" enthält angesichts dessen einen viel zu deutlichen Bezug zu einer juristisch gegebenen Gesetzlichkeit.
Bei dict.cc finde ich engl. "jusnaturalistic" für dt. "naturrechtlich". Das hilft mir aber auch nicht weiter, zumal "jusnaturalistic" ein seltsames Wortgebilde ist und wohl auch nur von dict.cc-Benutzern verstanden wird.
Der Begriff der (von jeder Legislative und Judikative unabhängigen) Rechtlichkeit, der mir vorschwebt, ist ein genuin ethischer Begriff.
Möglichwerweise hat die Staatsrechtsphilosophie Carl Schmitts zu der im Deutschen stärker als im Englischen ausgeprägten Unterscheidung von "Recht" und "Gesetz" beigetragen. Schmitt verwarf "den naturrechtlichen Gedanken universeller Menschenrechte, die jede Staatsform unabhängig von durch den Staat gesetztem Recht zu beachten hätte" (Wikipedia). Wenn ich es richtig verstehe, ist - nach Schmitt - der Staat mit seiner Verfassung und seinen ihn erhaltenden Gesetzen notwendigerweise auf eine funktionierende Ordnung ausgerichtet und nimmt sich nur unter gewissen Umständen (die sozusagen den staatsrechtlichen Luxus der Rechtsstaatlichkeit erlauben) in die Pflicht ethischer Grundsätze (im Sinne von Menschenrechten).
Ich vermute hinsichtlich der Schwierigkeiten, deutsche Rechtstheorie- und Ethiktexte treffend ins Englische zu übersetzen, eher etwas anderes: Die Geschichte der Deutschen einerseits und der Briten und US-Amerikaner andererseits weist hinsichtlich ihrer Nationwerdung und ihrer nationalen Verfasstheit erhebliche Unterschiede auf. Es nimmt mich nicht wunder (sondern freut mich), dass es unter den sprachprägenden deutschen Intellektuellen des 18. und 19. Jahrhundert solche gab, die Hemmungen hatten, die Idee des Rechts - als etwas, was vernunftgemäß dem Einzelnen zusteht, unabhängig davon, ob es zugestanden wird - als Gegebenes in den real existierenden Staat hineinzuprojizieren.


BTW: realisieren/realize ist auch ein typischer Unterschied zwischen den beiden Sprachen: im deutschen Sinne muss das erst noch verwirklicht werden, was im englischen Sinne als Wirkliches zu erkennen ist...:)

2008-03-04

Boisterous Train

My life has been hectic of late,
Just too many things on my plate.
It's forcing me to reign
In my boisterous train -
But I'll steady it, tidy and straight!

2008-03-02

On Morality of Democracy

Democracy holds insofar a moral value as it frames the individuals' and corporations' self-interestedness related and relativized to the interests of the others, inclusively to the interests of minorities(!!).
Consequently, power has in a democratic system a purpose that is different from the goals which power has in non-democratic systems. Democratic power is committed to accomplish a coordination of interests under the principle of equal opportunities. Power which serves certain interests only, cannot be considered to be democratically legitimated, and deserves massive resistance.

No people nor nation can reasonably arrogate to oneself to be a "chosen" people or nation. For this reason, the morality of democracy cannot be defined merely intranational. The peoples' and nations' self-interestedness should be viewed related and relativized to the interests of the other peoples and nations, inclusively to the interests of minorities(!!).

Without embedding (and relativizing!) the national interests in a global, cosmopolitical partnership, a nation's pride to be democratic would be lies and deception, and its efforts to "spread democracy" would be nothing else but shameless hegemonism. And hegemonism is morally reprehensible; it deserves massive resistance.

In this ethic sense, the Roman Republic and the U.S. expansion à la Manifest Destiny were just as little democratic as the revived Manchester Capitalism was and is. They deserved and deserve: resistance.

I still have a dream


I have a dream.
I still have a dream.
It is a dream deeply rooted in the humanitarian dream.
I have a dream that one day you can let your dog or cat relieve themselves on the entrance stairs of the separation temples called "nation" or "race" or "gender" or "religion" - and neither you nor your pet will be looked askant at, not to speak of being shot, by any Babbitt or fanatic.

2008-02-26

Glauben ist unverschämt


Ich halte Glauben für unverschämt: Der Glaubende will mehr als nur methodische Sorgfalt im Umgang mit Texten. Er will sich nicht damit abfinden, dass die vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten auf dem "vielfältigen Wesen" des Textes beruhen. Glauben kommt ins Stolpern, wenn es sich bewusst macht, wie es tickt, und wenn ihm in den Sinn kommt, Wahrheit sei ein jeweiliger Spielstand im Spiel konkurrierender Interpretationen.

Der Glaubende will aus verschiedenen Gründen genau das verstehen, was der Verfasser oder der Veranlasser des Textes wollte, dass er versteht. Sei es aus Strafvermeidungsbedürfnis, sei es aus Liebe zu dem, auf den sich der Glaube richtet: Glaube will nicht der wissenschaftlichen Diskussion anheimstellen oder sonst herumeiernd im Ungewissen lassen, was von dem kommt, der höher ist als alle menschliche Vernunft, was also über ästhetisches, philosophisches und theologisches Vergnügen hinaus Bedeutendes, und zwar Eindeutig-Bedeutendes ist, was folglich nicht irgendwie orakelhaft in den Gedankenraum menschlicher Geistesgeschichte abgeladen worden ist, sondern - in unbegreiflicher Güte - dem Glauben offenbart worden ist. Denn der Glaube schließt aus, sich auf etwas Gleichgültiges oder Irrsinniges zu richten oder auf etwas, was zur Rücksichtnahme auf das begrenzte Verstehensvermögen des Glaubenden nicht imstande oder bereit wäre.

Der Glaube will also, und das macht ihn unverschämt, nicht etwas Plausibles, Naheliegendes, sondern: den offenbarten Text genau so verstehen, wie Gott ihn versteht; er will kongeniales Textverständnis. Wollte der Glauben das nicht, würde er diffus - richtungslos - dämmern - kein Licht sehen.

Ohne seine Unverschämtheit wäre Glaube Kleinglaube oder nichts. Oder rationale Theologie (gegen die ich überhaupt nichts habe).


2008-02-11

Pacifism

The term pacifism was created by the French jurist and writer Émile Arnaud (article: "Code de la Paix", 1901 in a Belgian newspaper; brochure: "Code International Public - Code de la Paix", Congrès universel de la Paix, Ligue Internationale de la Paix et de la Liberté, Berne, 1912, and Institut International de la Paix, Paris, 1913). In his script, Arnaud repudiated daydream, charitable, religious and politological/ideological (namely anarchist, socialist and liberalist) roundabouts on the needs of neighborliness (of people and of peoples). The humanistic idea of pacifism is originally emotional, non-political, basing on the insight that one's self-esteem requires essentially to be mirrored neighbourly, which again requires both to show one's own neighborliness and to open up one's own mind about the others' basic needs. In the case of conflicting interests, the will has to be kept under the moral law (I. Kant), which means that searching for reasoning, nonviolent conflict resolutions is of highest priority. Attributing pacifism as passive is questionable, and the attribute passive needs clarification. For example, blocking sit-downs on the driveways of a military facility, civil disobedience on grounds of conscience, non-consumption of rabble-rousing media - these are actions, and they are not passive at all. Nevertheless, I'll keep on calling these forms of resistance passive resistance just to differentiate them terminologically from life-threatening sabotages, assassinations and riots. Utopie et réalité d’une culture de la paix - that's a very difficult matter, but also a matter of highest importance. And I can't see another way to cultivate it but by pacifism.

2008-01-03

Both theory of evolution and creationism need their specific critique

The conclusions of theory of evolution are just as little a matter of facticity as the assumptions of the Intelligent Design belief. Both conceptions are merely endeavours to create explanatory models of sections of reality.
The latter (ID) is clearly an ideology: trapped in the circle belief both as base and as end, clutching at everything that seems to be suitable as a mean for the predefined conclusion.
Also can the former (the theory of evolution) walk into the ideological trap if science of nature is pretended to be the reality of nature itself; not to mention the misuse of science by advocates of any weltanschauung (be it offensive atheism or Machiavellianism or untermensch ideologies).

For their own truths' sake, both conceptions need their specific philosophical criticism: science critique and critique of religion respectively. In case evolutionists and ID-creationists take up this challenge (both minding their own business, not the others'), I can't see an impediment to reconcile both conceptions with each other -: What could prevent me from viewing evolution as a matter of "intelligent design"?

2008-01-02

Offenbarungsglaube

Wer sein Haus liebt, den verlangt es nicht nach Analysen des Untergrunds; im Gegenteil, schon die Anfrage weist er genervt als Störung zurück: bedenklich an ihr sei nicht der Inhalt, sondern die Absicht. Was er begrüßt und als Bestärkung nimmt, das sind Beruhigungen und Zerstreuungen seiner eigenen Zweifel, gegen die er das Haus doch gebaut hat.
Ein Mensch, der sich mühevoll in eine Überzeugung eingeigelt hat, aus Furcht, er könnte auf seinem Lebensweg sich falsch orientieren und verloren gehen (get lost), muss Zweifel und Fragen, ja sogar schon die abweichende Sichtweise eines anderen als Versuchung, als aggressiven Versuch der Verunsicherung empfinden und zurückweisen.

Es gibt zwar einige wissenschaftlich hieb- und stichfeste Befunde und sehr viele spekulative Annahmen darüber, wer wann wo warum wozu was zur ehrwürdigen Architektur des Hauses beigetragen hat. Hochinteressant, das. Aber bewegt es irgend jemanden dazu, Wohnung in diesem Hause zu nehmen? Da gibt es doch etwas anderes, etwas, das wirklich bewegt, nicht wahr? Bewegt, ins Haus einzugehen oder in seiner Nähe ein Zelt aufzuschlagen oder disgusted das Weite zu suchen. Unabhängig von der Frage, wie gesichert oder ungesichert die Gutachten über die Standfestigkeit des Untergrunds sind, ja sogar unabhängig von der Frage, wie sicher oder unsicher der Untergrund in Wahrheit ist.

* Ob jemand in ein Haus einzieht,
* ob er dieses Haus überhaupt für bewohnbar halten kann,
* ja, ob dieses Haus das einzige ist, in dem er aus Verantwortung sich selbst gegenüber Wohnung nehmen kann,
* und, wenn er einzieht, ob und inwieweit er das Haus mitgestalten kann und dieses Haus eine Umgestaltung zulässt,
das hängt kaum bis überhaupt nicht von wissenschaftlichen Befunden ab, schon gar nicht von spekulativen Fremdannahmen, geschweige denn von Drohungen irgendwelcher Erbengemeinschaften.

Oder anders. Reden wir einmal über Geschichten.
Die Vernunft, die sich keinen Urlaub geben will, sucht in Geschichten den transportierten Sinn, versucht, sich die transformierte Information hell zu machen. Sie möchte dem Urheber der Geschichten entgegengehen.
[Ein kleiner Exkurs: Nach der Theorie des Empedokles (eines der großen Hellenen des 5. vorchristlichen Jahrhunderts) beruht das Sehen in einem Zusammentreffen von Ausströmungen aus dem Objekt mit einem suchenden Sehstrahl des Subjekts. Ende des kleinen Exkurses.]
Siehe, da schreibt einer eine Geschichte auf.
Er hat sie als Beteiligter erlebt.
Oder sie ist ihm zu Ohren gekommen.
Oder er hat sie ersonnen.
Vielleicht speist sie sich aus zweien dieser Quellen oder aus allen dreien.
Jedenfalls geht ihm das Herz vom Inhalt seiner Geschichte über, und an ihm will er andere Menschen ebenso teilhaben lassen.
Die Geschichte als Mittler zwischen einem reich gewordenen Herzen und anderen, die sich diesem Reichtum aufschließen, weil sie spüren, dass er sie ein Stück weit oder gar ganz ganz machen kann.

Bei der Komposition, Weitergabe und Aufnahme der Geschichte geschieht mit ihrem Inhalt Erhebliches. In der Kommunikation wird dem Geschichteninhalt etwas aufmoduliert, das von den Kommunikanten und ihrer Beziehung zueinander abhängt: von den Kapazitäten, Widerständen, Intensionen und Intentionen, Kondensationen, Filtern und Verstärkern, von den kommunikativen Absichten und von den kommunikativen Erwartungen. Diese Aufmodulierungen sind spezifisch persönlich und relational bis hin zur Verdeckung und Verfremdung, vielleicht gar Verkehrung des Geschehenen oder Ersonnenen. Allein schon die Sprache und dann gar der Sprachstil transformieren das zu Transportierende.
Hätte beispielsweise Matthäus den Inhalt der Markus-Botschaft nicht für Judenchristen aufbereitet, sondern, sagen wir einmal, für teutonische Stämme, und hätte Johannes seine Botschaft nicht in die Umgebung hellenisch gebildeter Juden gestellt, sondern in den Denkraum der Inuit - ihre Botschaften hätten ganz eine andere Färbung, Schwerpunktsetzung, Sprache. Ganz sicherlich hieße es dann nicht "im Anfang war der Logos", und auch die Bemühung alttestamentlicher Zitate, mit denen das haarkleine Eintreten des Prophezeiten überzeugend belegt werden sollte, würde für Teutonen und Inuit weder eine Verständnishilfe darstellen noch überhaupt von Belang sein.

Auf das System, das nun gar die Schriftgelehrten und nach Selbstgerechtigkeit Dürstenden aus der Geschichte gebastelt haben, verzichte ich mit großer Freude. Als wäre durch Dogmen der Mangel behoben oder auch nur behebbar, den Jesus bei den Seinen(!) - die doch leibhaftig bei ihm als ihrem Lehrmeister waren und denen im Unterschied zu allen Außenstehenden und Nachgeborenen sein O-Ton in den Ohren geklungen haben musste - heftig beklagte!

Ich bin nun zu einem Schluss gelangt. Als Anhang, quasi zur Veranschaulichung meines Umgangs mit Geschichten, füge ich nun noch ein paar nachweihnachtliche Bemerkungen zu meiner Schau der mir am Herzen liegenden Mirjam an:

In Mirjam, so sehe ich das, vollendet sich die Menschwerdung Gottes.
Ich meine das nicht nur mit Blick auf ihren schwangeren Leib.
In Mirjam vollendet sich die Menschwerdung Gottes, denn:
Sie ist Mensch, und das, anders als ihr Sohn, absolut, ohne Alternative, ohne zweite Natur.
Sie ist Frau - ein Aspekt des Menschen, der die Herrlichkeit der Ein-Gott-Religion bemerkenswert kontrastiert und ergänzt und die Auch-Weiblichkeit dessen, der den Menschen nach seinem Bild erschaffen hat, unterstreicht.
Ich sehe: die dreizehnjährige Mirjam, eher noch jünger, und Josef, sechzehnjährig, eher noch jünger, von ihren Eltern einander versprochen.
Ich sehe: das Mädchen Mirjam, eingebunden in die alltäglichen Pflichten ihres Elternhauses, aber auch nicht ohne vertrauliche Träumereien und ausgelassene Scherze mit Freundinnen.
Und dann wird sie schwanger, und das nicht von ihrem Verlobten. Eine Katastrophe für das Mädchen und den jungen Mann und ihre Familien. Ein Ereignis, das nur durch eine besondere Erklärung nicht verhängnisvoll enden kann. Dafür sind Träume da. Und Traumdeutungen.
Und Mirjam bewegte dies alles in ihrem Herzen.
Erst die Gottesgelehrten, die Nachfolger Jesu, die nach seinem Tod die Lücken zu schließen sich bemühten, die in ihrem Verstehen von Natur und Lehre ihres Meisters klafften; erst diese Gottesgelehrten komponierten Mirjams Lebensgeschichte und beschäftigten sich insbesondere mit dem Bezug zwischen ihrer Fraulichkeit und Mutterschaft und dem, der gen Himmel gefahren war.
Wie weit auch immer man diesen Geschichten und Deutungen folgen mag -: In Mirjam vollendet sich die Menschwerdung Gottes. So sehe ich das.
So weit wie der Chorus mysticus in Goethes Faust gehe ich nicht: "Jungfrau, Mutter, Königin, Göttin". Weiß Gott, nicht. Aber: Sie zieht uns hinan.
So sehe ich das. Und lege im Unterschied zu Anhängern orientalischer Mythen auf eine sonderbare leibliche Jungfräulichkeit einer mehrfachen Mutter keinerlei Wert.